In der deutschen Unternehmenslandschaft sind laut Coface-Studie Zahlungsverzögerungen ausgeprägter bei Unternehmen, die vorrangig vom Exportgeschäft abhängig sind. Sie verbuchen zu fast 90% Verzögerungen; bei den auf den deutschen Markt konzentrierten Unternehmen sind es 82,8%.
„Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Umfang der Außenstände tendenziell leicht verringert“, erklärt Dr. Mario Jung, Economist für Nordeuropa bei Coface und Autor der Studie. Denn rund 20% der befragten Unternehmen berichten von geringeren Außenständen, während 16,9% einen Anstieg vermerken. Über 60% sehen keine Veränderung in ihren Außenständen. Unter den exportorientierten Unternehmen fällt das Bild etwas gemischter, aber dennoch tendenziell positiv aus. Dort sehen gut 24% eine Verringerung ihrer Außenstände. Dem steht allerdings ein deutlich höherer Anteil – im Vergleich zum Durchschnittswert von 16,9% – von 23,3% mit gestiegenen Außenständen gegenüber.
Gemischtes Bild bei Branchen
Der Anteil der Unternehmen, die Zahlungsverzögerungen erleiden müssen, schwankt über die 13 betrachteten Branchen hinweg um rund zehn Prozentpunkte um den Durchschnitt. Am stärksten betroffen von Zahlungsverzögerungen ist mit deutlichem Abstand der Bereich Textil/Leder/Bekleidung mit einem Anteil von 94,4%, gefolgt von den Sektoren Papier/ Verpackung/Druck (89,3%) sowie Holz/Möbel (87,5%). Am wenigsten betroffen von Zahlungsverzögerungen sind die Mechanik-/Präzisionsindustrie mit ’nur‘ 75,0%. Auch die Branchen Kfz-/Fahrzeugindustrie (78,8 %) sowie der Großhandel (81,0%) notieren unter dem Durchschnitt.
Hauptgrund für Zahlungsverzögerungen sind für mehr als jedes zweite Unternehmen finanzielle Schwierigkeiten ihrer Kunden. Dagegen spielen wirtschaftliche Streitfälle eine nachgeordnete Rolle (9,4%). Auch Betrugsfälle sind gerade einmal bei 3,8% Hauptursache. Für exportorientierte Unternehmen fällt die Antwortstruktur sehr ähnlich aus. Allerdings berichten solche Unternehmen auch öfter von Problemen bei der Wechselkursfestsetzung oder im Devisenverkehr allgemein.