Weitere 12 FOC-Standorte sind in der Planung. Sollten alle realisiert werden, würde praktisch jeder deutsche Textilhändler im Einzugsgebiet eines Fabrikverkaufszentrums liegen und von dessen Umsatzsog mehr oder weniger stark betroffen sein. Der BTE bewertet diese Entwicklung als sehr kritisch, da die FOCs die Bereitschaft der Kunden, reguläre zu Preise zu zahlen, verringern.
Die Mehrheit des Handels habe sich mit der Existenz von FOCs abgefunden. Das betrifft vor allem solche (größeren) Modehäuser, die mit ihren Lieferanten die Rücknahme nicht abverkaufter Ware vereinbart haben. Schließlich müsse man dem Industriepartner dann auch Möglichkeiten einräumen, die Restanten zu vermarkten. Unproblematisch für den Modehandel seien jegliche Fabrikverkäufe, die sich auf fehlerhafte und entsprechend gekennzeichnete Ware beschränken.
Mit der zunehmenden Zahl an FOC werde es allerdings immer unglaubwürdiger, dass die dort angesiedelten Markenläden allein dem Abschleusen von Restanten, B- und Altware dienen. Nach BTE-Erkenntnissen müssten die Mieter nämlich vielfach detaillierte Umsatzplanungen einreichen, was bei zunehmender Zahl der Geschäfte wohl nur mit eigens dafür produzierter Ware möglich sein dürften.
Diese Vermutung wurde im letzten Jahr auch vom RTL-Verbrauchermagazin ’Nicht mit ‘ bestätigt. Ein türkischer Zulieferer von Markenherstellern behauptete sogar, dass 70 bis 80% der Bekleidung in Outlets extra für diese produziert würden. Andere Branchenbeobachter gehen laut RTL von 30 bis 40% eigens produzierte Outletware aus. Zudem liegt nach Expertentests deren Qualität deutlich niedriger als beim „Original“, was dann auch die tieferen Preise erklärt.
Nach Ansicht des BTE ist dies ein Irrweg! Minderwertige Ware als vermeintliches Marken-Schnäppchen an unkritische bzw. unwissende Kunden zu verkaufen, sei kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Es diskreditiere vielmehr die Preisgestaltung des seriösen Fachhandelspartners und schädige damit auch das Image der Marke. Der BTE appelliert deshalb an alle Lieferanten mit Stores in FOCs:
- Die angebotenen Modelle dürfen grundsätzlich nur aus Warenrücknahmen stammen. Keinesfalls sollten die Lieferanten gezielt (minderwertige) Ware für FOCs produzieren!
- Es darf dort keine aktuelle Ware angeboten werden. Zwischen Auslieferung an die Handelspartner und dem Angebot in einem FOC sollten mindestens sechs Monate liegen.
Im (näheren) Einzugsgebiet eines FOCs werde das Vermarkten von Altware für den Fachhandel sehr schwierig. Den ansässigen Handelspartnern sollte daher angeboten werden, nicht verkaufte Ware am Saisonende zurückzunehmen.