Jeden Tag schaut Andreas Neuhaus, der in der Nähe von Brühl wohnt, im Schuhhaus vorbei und übernimmt regelmäßig auch Schichten im Verkauf. Ihm ist der Kundenkontakt wichtig und auch der Austausch mit seinem Team. Nebenbei ist der 64-Jährige immer noch im Vertrieb aktiv und vertritt die Schuhmarke OOG. Seine häufige Präsenz im Geschäft gibt Neuhaus und seinem Team die Möglichkeit, schnell auf Veränderungen zu reagieren. „Wir schauen von Woche zu Woche und entscheiden kurzfristig, welche Themen wir setzen“, erklärt der Händler die Strategie. Wird etwa ein Kälteeinbruch angekündigt, rücken die warmgefütterten Winterboots ganz nach vorne auf die prominenteste Präsentationsfläche und die warmen Hausschuhe gleich mit. „Man muss als Händler flexibel sein, wenn man erfolgreich sein will“, ist der Händler überzeugt.
„Online rechnet sich nicht“
Das Online-Business wird Andreas Neuhaus einstellen. Zuletzt seien die Verkäufe deutlich zurückgegangen, sagt er, und: „Wenn man es richtig kalkuliert, verdient man online kein Geld.“ Würde man wirklich sämtliche Kosten inklusive Personal und Handling addieren, stünde unterm Strich eine rote Zahl. Daher ist Neuhaus überzeugt: „Wir müssen die Menschen bewegen, in die Stadt zu gehen.“ Und weil die Konsumentinnen und Konsumenten sehr bequem geworden seien, müsse man ihnen Events und besondere Produkte bieten. Mit Events kennt sich der Händler jedenfalls aus. Immer wieder organisiert er Aktionen. So hat er zum 70-jährigen Jubiläum des Schuhhauses sogar die Kölsche Mundart-Band Domstürmer zum Acapella-Konzert ins Geschäft geholt und eine extra Domstürmer-Schuhkollektion gelauncht. Es kam sogar dazu, dass zwei Bandmitglieder die Schuhe persönlich mit verkauften. „Man kann viel bewegen“, sagt Neuhaus. Wobei ihm bewusst ist, dass das eine Menge Aufwand bedeutet.
Das gilt seiner Meinung nach auch für das Thema Digitalisierung, mit dem er jedoch hadert: „Das wird allerorten propagiert, aber leider in vielen Fällen nicht zu Ende gedacht. Oft werden Händler mit der Umsetzung alleine gelassen. Man braucht eine enorme Manpower und das Ganze verursacht oftmals unnötige Kosten.“ Der Nutzen hingegen sei nicht immer klar.
Ein gutes Jahr
2024 sei für das Schuhhaus Winterscheid ein gutes Jahr gewesen, zieht Neuhaus Bilanz. Auch wenn der Dezember erheblich geschwächelt habe, hätten sich die Umsätze doch zufriedenstellend entwickelt. Neuhaus glaubt an den Schuhhandel und an sein Geschäft. „Inhabergeführte Unternehmen sind oft erfolgreicher. Denn Inhaber denken eher an Konsolidierung als immer nur ’höher, schneller und weiter‘. Respekt habe ich immer wieder vor einigen Händlern, die ich besuche, die mit mehr als vollem Herzen ihr Unternehmen führen und dies richtig leben. Hier durfte ich in den vergangenen Jahren sehr viele Freundschaften schließen, das genieße ich sehr.“ Der Brühler Händler sieht viele der aktuellen Probleme in der deutschen Wirtschaft auch darin begründet, dass Manager Entscheidungen träfen, für die sie nicht ihr eigenes Geld ausgeben müssten. „Wenn die Menschen anfangen, gierig zu werden, dann wird es schwierig.“ Neuhaus will also weitermachen mit seinem Engagement, bei dem er, wie er sagt, mit großer Leidenschaft zwei Hüte aufhat. Die Marke OOG will er weiter vertreiben und zugleich sein Schuhhaus voranbringen. Er freut sich auf die kommenden Messen, das Wiedersehen mit den Menschen und die Möglichkeit, neue Kollektionen zu sichten. Mit dem für den Rhein-Erft- Kreis typischen Akzent sagt er: „Es wird schon alles werden“, und man ist geneigt, ihm das zu glauben.