Mehr als 9,6 Mrd. Euro (7% Wachstum zu 2014) betrug der Umsatz der Kurier-, Express- und Pakettransportunternehmen im Jahr 2015 in Deutschland. Differenziert nach Privatkunden- und Geschäftskundengeschäft wird schnell klar: Insbesondere der B2C-Paketmarkt profitiert mit einem Marktanteil von 54% von dem anhaltenden Wachstum des E-Commerce. So dominieren die insbesondere auf das B2C-Segment ausgerichteten Paketdienste wie DHL (49% Marktanteil) und Hermes (14% Marktanteil) den Markt und machen gemeinsam mehr als die Hälfte des gesamten Paketmarktes aus. Das übrige Segment verteilt sich auf die Wettbewerber, die stärker auf das B2B-Segment ausgerichtet sind, wie DPD (16% Marktanteil), UPS (13% Marktanteil) und GLS (8% Marktanteil).
„Ganz klar: Das private Bestellverhalten der Kunden ist der wichtigste Wachstumstreiber im Paketmarkt. Und die Dynamik der letzten Jahre wird sich fortschreiben. So rechnen wir in diesem Jahr mit einem erneuten Umsatzplus von 12% im E-Commerce,“ sieht Christoph Wenk-Fischer, BEVH-Hauptgeschäftsführer, und fügt hinzu: „Wachstum schafft Innovationen. Der Kunde kann heute aus einer Fülle an Möglichkeiten wählen. Sehr bald schon wird nicht mehr nur das Angebot, sondern die angenehmste Lieferoption die Kaufentscheidung des Kunden beeinflussen. Und somit wird er auch zum entscheidenden Prozessgestalter der letzten Meile.“
Privatkundengeschäft mit 1,25 Mrd. Sendungen zeigt Warengruppen-spezifische regionale Unterschiede
Rund 1,25 Mrd. Sendungen (2014: 1,15 Mrd.; +8,6%) wurden im Jahr 2015 an deutsche Haushalte ausgeliefert. Dabei ähnelt die geografische Verteilung des Paketvolumens annähernd der Bevölkerungsverteilung. In der deutschen Hauptstadt, mit ihren rund 3,5 Mio. Einwohnern, wurden 43,5 Mio. Pakete registriert. Ländliche Regionen, insbesondere die neuen Bundesländer, weisen die geringsten Paketvolumina auf.
In puncto Warengruppen zeigen sich BEVH zufolge regionale Unterschiede in der Bevölkerungsverteilung. Dies zeigt sich beispielsweise an der Warengruppe Bekleidung. Diese ist mit einem Paketvolumen von 270 Mio. die umsatz- und absatzstärkste Warengruppe im Interaktiven Handel. Entgegen der Annahme, das gerade in Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München die höchsten pro Kopf-Werte gemessen wurden, zeigen diese Städte wie Frankfurt, Mannheim und Bremen. In diesen wurden 2015 3,9 bzw. 3,8 Pakete pro Kopf versendet. In den genannten Großstädten hingegen wurden 3 Sendungen pro Kopf ausgeliefert.
Neue Lieferservices schaffen das Potenzial zur weiteren Beschleunigung
Im Zuge des stetigen Wachstums sowohl des E-Commerce- als auch Paketmarktes zeichnet sich ein grundlegender Wandel der Zustellprozesse ab. Nach Ansicht des Verbandes beginnt hier „das Dilemma der Logistiker“: die Anpassung der Kapazitäten an das zukünftige Wachstum und die Abstimmung der Services auf die sich weiter individualisierenden Anforderungen. Vor dem Hintergrund dieses Spannungsfeldes haben neue Konzepte auf der letzten Meile, marktfremde Anbieter und die sich wandelnden Endkundenanforderungen einen KEP-Markt geschaffen, der sich, primär auf den E-Commerce ausgerichtet, von den bisherigen Angeboten unterscheidet.