Seit Jahren warnen Handelsexperten vor den Folgen unseres digitaler werdenden Konsumverhaltens. Dabei sind klassische Einzelhändler noch klar im Vorteil: Für 262,78 Euro kaufen Verbraucher jeden Monat im klassischen Handel ein. Nur 93,83 Euro geben sie online aus. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage des Verbraucherforums mydealz. Grund zur Hoffnung haben klassische Händler dennoch wenig: Jeder fünfte Verbraucher gibt heute weniger Geld im klassischen Handel aus als noch vor einem Jahr.
Ausgaben im klassischen Handel überwiegen noch deutlich
Vergleicht man nur die Ausgaben, fällt es schwer den Klagen des Einzelhandels zu folgen. Klassische Händler stehen nicht etwa schlechter da als ihre digitalen Konkurrenten, sondern deutlich besser: Für 356,61 Euro kaufen wir Deutschen jeden Monat ein; 262,78 Euro (73,69%) geben wir dabei im Laden um die Ecke aus, aber nur 93,83 Euro (26,31%) für Bestellungen im Internet.
Online-Händler profitieren von steigenden Konsumausgaben
Wie diffizil die Situation für Einzelhändler ist, wird erst deutlich, wenn man sich ansieht, wie stark sich die Konsumausgaben verändert haben. 1.000 Verbraucher hat Statista im Auftrag von mydealz in einer repräsentativen Umfrage befragt, ob sie im Vergleich zum Vorjahr für ihre Einkäufe nun weniger, mehr oder genauso viel ausgeben. Insgesamt fielen die Antworten positiv aus: 23,3% der Verbraucher geben nun mehr Geld aus als im Vorjahr und nur 12,9 Prozent geben weniger Geld aus während sich die Ausgaben bei sechs von zehn Konsumenten (63,8%) nicht verändert haben.
Während Online-Händler von dieser Entwicklung profitieren, stehen klassische Händler auf der Verliererseite. Online geben nun 27,5% der Verbraucher mehr und nur 15,6% weniger aus als noch vor einem Jahr. Im Laden um die Ecke geben indes „nur“ 14,8% heute mehr aus während jeder Fünfte (20,2%) seine Ausgaben reduziert hat. In der Folge wachsen die Umsätze im Online-Handel während Einzelhändler mit Einbußen zu rechnen haben.
Verbraucher bestellen vor allem aus Bequemlichkeit online
Fragt man Verbraucher, wieso sie so gerne im Internet bestellen, fallen vor allem drei Worte: Bequemlichkeit, Verfügbarkeit und Auswahl. 73,8% der von Statista für mydealz befragten Deutschen erklärten, für sie sei die Bequemlichkeit das größte Plus beim Online-Shopping. Sieben von zehn Konsumenten (68,3%) – Mehrfachantworten waren bei dieser Frage möglich – finden es vorteilhaft, dass sie keine Ladenöffnungszeiten beachten müssen und 62,5% bestellen wegen der – im Vergleich zum klassischen Handel – „größeren Auswahl“ im Internet. Ähnlich viele Verbraucher, nämlich 60,5%, erklärten, die „besseren Vergleichsmöglichkeiten“ seien für sie ein Vorteil beim Online-Shopping. Und tatsächlich sucht knapp jeder zweite Verbraucher wenigstens einmal die Woche und 8,6% sogar jeden Tag im Internet nach Angeboten.
Besonders jüngere Verbraucher nutzen das Internet dabei für die Suche nach Angeboten. Jeder neunte Verbraucher im Alter von 16 bis 24 Jahren (11,11%) und sogar jeder siebte 25 bis 34-jährige (13,9%) sucht mindestens einmal pro Tag im Internet nach Angeboten. Etwas weniger intensiv suchen ältere Verbraucher online nach Angeboten. Jeweils rund jeder achte Verbraucher im Alter von 35 bis 44 Jahren (8,45%), 45 bis 54 Jahren (8,38%) und 55 bis 64 Jahren (8,75%) nutzt das Internet wenigstens täglich, um Angebote zu finden. „Zurückhaltender“ sind nur die über 65-jährigen: Gerade einmal 4,19% von ihnen suchen online wenigstens täglich nach Angeboten und „nur“ 39,75% mindestens einmal pro Woche.
Service-Offensive des Einzelhandels
Dass die Service-Offensive mancher Einzelhändler ins Leere laufen könnte, macht ein anderer Teil der Umfrage deutlich. Verbraucher wurden nicht nur nach den Vorteilen, sondern auch nach den Nachteilen des Online-Shoppings befragt. An der fehlenden Beratung störten sich dabei jedoch nur 43,8 Prozent der Konsumenten. Sechs von zehn Verbrauchern (61,6 Prozent) erklärten, sie störten (hohe) Versandkosten, und 78,6 Prozent beklagten, sie könnten die Ware vor dem Kauf nicht an- beziehungsweise ausprobieren.