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Ein Termin am Vorabend der GDS: Im kreativen Ambiente des Düsseldorfer Medienhafens präsentiert die ANWR die nächste Entwicklungsstufe ihrer Digitalstrategie. Drei Jahre nach dem Start von schuhe.de will die Verbundgruppe nun ernst machen. Die Grundlagen seien gelegt, nun soll die Plattform für die angeschlossenen Händler Umsatz generieren. Lange Zeit wurde schuhe.de in der Branche vielfach belächelt. Erst vor wenigen Tagen bezeichnete ein Akteur die Plattform gegenüber schuhkurier als „den größten Schwachsinn“. Die ANWR hat jedoch trotz aller Kritik an dem Projekt festgehalten. Unerschrocken wurde an der Verknüpfung mit bestehenden Onlineshops der Mitglieder und vor allem am Aufbau der digitalen Schaufenster gearbeitet. Diese werden in der neuen Stufe nun mit der Hauptnavigation verschmolzen und die stationären Sortimente so für den Onlinekunden sichtbar gemacht. Mit dieser Entwicklung macht schuhe.de einen erheblichen Schritt nach vorne.
Fraglich bleibt jedoch, welche Chance das Konzept in Zukunft gegen mächtige Akteure wie Zalando und Amazon haben wird. Ein wesentlicher Faktor der Digitalisierung ist die Geschwindigkeit. Veränderungen und Innovationsprozesse finden in immer geringeren Zeiträumen statt. Und gerade hier offenbaren sich erhebliche Unterschiede: die Pure Player sind deutlich wendiger und schneller. Die genossenschaftliche Struktur ist in Sachen Tempo ein Bremsklotz. In den drei Jahren, in denen bei schuhe.de an Grundsätzlichem gearbeitet wurde, hat Zalando den Umsatz nahezu verdoppelt. Permanent werden neue Features und Service-Leistungen für den Kunden erdacht, entwickelt und umgesetzt. So arbeitet Amazon unter dem Projektnamen ’Locker‘ aktuell mit Hochdruck an dem Aufbau eines eigenen Netzwerks aus Packstationen, über die Kunden Bestellungen abholen und Rücksendungen abgeben können.
Dieser Innovationskraft etwas entgegenzusetzen, erfordert Selbstbewusstsein und Durchhaltewillen. Beides scheint die ANWR zu haben. „Wir sehen es als unsere vordringliche Aufgabe, die Handelsunternehmen bei den Veränderungsprozessen vor allem in der digitalen Welt mit Know-how, Infrastruktur und moderner Technik zu unterstützen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Günter Althaus. Ob das reichen wird?
Am Ende wird der Endverbraucher entscheiden, wo er klickt und kauft. Die Erfolgschancen würden jedoch ohne Zweifel steigen, wenn die Mitglieder entschlossen mitzögen. Erst kürzlich warnte die Expertenkommission Forschung und Innovation in ihrem Gutachten für die Bundesregierung, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung das Schlusslicht sei. Gerade der Mittelstand sei wenig innovativ. Im Durchschnitt gelte: Je kleiner das Unternehmen, desto weniger Bedeutung misst es digitalen Technologien bei. Die Expertenkommission ist daher besorgt, dass ein Großteil der Unternehmen die Bedeutung des digitalen Wandels unterschätzt. Zumindest dieses Urteil muss die ANWR nicht fürchten.