Nach Angaben der Partner ist das Projekt besonders interessant, da die Produktionsstraße verhältnismäßig kostengünstig eingerichtet wurde. „Damit stellen wir unter Beweis, dass es möglich ist, Schuhe künftig wieder lokal oder sogar im Geschäft zu produzieren, während der Kunde wartet“, teilen SLEM und Atomlab mit.
Zum Produktionsablauf: Zunächst wird ein Leisten aus dem biologisch abbaubaren Kunststoff PLA auf einem Makerbot 3D-Drucker gedruckt. Anschließend werden die beiden Teile des Schaftes an einer automatisierten Nähstation miteinander vernäht. SLEM und Atomlab nutzen die Strobel-Machart, bei der der Schuh wie eine Socke über den Leisten gezogen wird. Diese Technik erfordert keinen besonders soliden Leisten, sondern erlaubt den Einsatz von 3D-gedruckten Leisten. Außerdem ist der Kunstoff-Leisten leicht genug, um von dem ABB-Roboter ’Yumi‘ angehoben werden zu können. Dieser Roboter zieht den Schaft über den Leisten. Anschließend hebt ’Yumi‘ den Schuh an, trägt Klebstoff auf die Sohle auf und setzt ihn anschließend in einen Trockungstunnel, in dem der Kleber aktiviert wird. Kommt der Schuh wieder aus dem Tunnel heraus, nimmt der Roboter eine Laufsohle, die aus dem flexiblen Material Filaflex auf einem Ultimaker 3D-Drucker gedruckt worden ist, und legt sowohl die Sohle als auch den Leisten mit dem Schaft in eine Sohlenpresse. An dieser Station wird ein Mikro-Chip in den Schuh integriert, über den zum einen der Roboter den Produktionsprozess überwacht. Auf dem Chip könnten aber je nach Kundenwunsch weitere Daten abgespeichert werden.
Die gesamte Fertigung dauert nach Angaben von SLEM und Atomlab rund zehn Minuten pro Schuh. Allerdings benötigen die 3D-Drucker für den Druck des Leistens und der Sohle je rund acht Stunden. Die beiden Projektpartner erwarten, dass die Leistungsfähigkeit der Drucker künftig deutlich steigen wird. Bereits heute bietet das Modell jedoch ein sehr hohes Maß an Individualisierungsmöglichkeiten. Die beiden 3D-Drucker, die von SLEM und Atomlab genutzt wurden, kosten je rund 2.000 Euro. Der Preis des ABB-Roboters liegt bei 50.000 Euro. Die Schuhe und der Workflow wurden von der SLEM-Absolventin Eva Klabalova im Rahmen ihrer Abschlussarbeit entwickelt. Weitere Informationen unter www.slem.nl