Der Wettbewerbsrat der EU war am 28. Mai in Brüssel zusammengekommen, um über eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung für Gebrauchsgüter zu befinden. Dem Rat gelang es dabei nicht, das Patt zwischen Befürwortern und Gegnern aufzulösen. Auch konnte keine Übereinstimmung für den Vorschlag des lettischen Präsidenten erreicht werden, der eine Kennzeichnung lediglich für Schuhe und Keramik umfasste.
„Dieses Resultat ist sehr enttäuschend. Wieder wurde eine wichtige Gelegenheit verpasst“, kommentierte Cleto Sagripanti, Präsident des italienischen Schuhherstellerverbandes Assocalzaturifici und vor kurzem neu gewählter CEC-Präsident, die jüngsten Entwicklungen. Es sei nicht gelungen, eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung zu erreichen, wodurch die EU praktisch der einzige Wirtschaftsraum ohne Verbraucherschutz im Hinblick auf gehandelte Waren sei. Im Gegensatz dazu hätten Handelspartner wie insbesondere die USA, aber auch China bereits vor geraumer Zeit derartige Verbraucherschutzmaßnahmen manifestiert.
„Die neue Kommission hat stärkere Regulierungen gefordert, um Wachstum und Beschäftigung in der EU zu sichern, aber die Mitgliedsstaaten haben es nicht geschafft, dieses Ansinnen in klare und effiziente Richtlinien zu übersetzen“, so Assocalzaturifici.
Aufgrund dieser Entwicklungen haben nach Überzeugung des Verbands Millionen europäischer Konsumenten weiterhin keine klaren Informationen über die Produkte, die sie kaufen, und deren Rückverfolgbarkeit. Die EU habe eine weitere Gelegenheit verpasst, ihre eigene Industrie zu unterstützen. „Alle reden über die industrielle Renaissance in Europa, aber es dürfte inzwischen klar sein, dass dies nur heiße Luft ist. Wir können nicht umhin, sehr enttäuscht über diese Entscheidung zu sein“, so Cleto Sagripanti. Dies treffe die europäische Schuhindustrie, zu der viele kleine Unternehmen gehören und die um die 250.000 Arbeiter beschäftige.