Wann hat es das zuletzt gegeben? Knapp drei Stunden referieren der Aufsichtsratsvorsitzende sowie mehrere Vorstände der ANWR Group am 11. Juni in Krakau über aktuelle Zahlen und Entwicklungen sowie die Ziele für die Zukunft – und es gab nicht eine einzige Nachfrage. Sehr ruhig und entspannt nahmen die Genossen die Berichte zur Kenntnis. Keine Aufreger, kein kritisches Grundrauschen, nicht einmal Kopfschütteln war wahrnehmbar. Im Gegenteil: Die Stimmung war sogar ausgesprochen gut.
Ähnliches gab es aus Dresden zu berichten, wo zwei Tage vorher die Generalversammlung des Sabu stattfand. In sportlichen eineinhalb Stunden war hier alles Wesentliche gesagt sowie Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Wobei die Heilbronner Verbundgruppe schon seit Jahren die Tradition der ’zügigen Zusammenkunft‘ pflegt, bei der die Leistung der Verantwortlichen goutiert wird und man vor allem Geschlossenheit angesichts der Herausforderungen im Markt demonstriert.
Bei der ANWR war das zumindest in den letzten Jahren deutlich anders. Die Übernahme der Mücke-Gruppe brachte viele Genossen mächtig in Rage; die angeschobenen Digitalisierungs-Themen erhöhten zusätzlich den Druck. Der Vorstand musste sich teils deutliche Kritik anhören und zu Nachfragen Stellung nehmen; das Vertrauen in die Arbeit der Manager war nicht immer uneingeschränkt – und umgekehrt skizzierte insbesondere der Vorstandsvorsitzende Günter Althaus mehrfach Zukunftsszenarien, die vielen Angst machten. Die Stimmung auf den zurückliegenden Generalversammlungen der ANWR war denn auch phasenweise eher von Stress geprägt als von konstruktivem Austausch. Das war jetzt deutlich anders. Womöglich hatte das Thema des diesjährigen Forums, das sinnliches Erleben im Handel in den Vordergrund stellte und die ’harten‘ Digitalisierungsthemen außen vor ließ, positive Auswirkungen. Jetzt wurde nicht über das unvermeidliche Ladensterben diskutiert, sondern über die Chancen, die man für unterschiedliche stationäre Konzepte sieht. Ein Beispiel für diesen neuen Optimismus waren die konstruktiven Denkanstöße für den Handel von Günter Althaus, die ganz ohne erhobenen Zeigefinger daherkamen. Wahrscheinlich spielt auch hier ein neuer Pragmatismus hinein: die Erkenntnis, dass sich Herausforderungen besser bewältigen lassen, wenn alle an einem Strang ziehen und sich den Themen auf sachlicher Ebene zuwenden.
In der Ruhe liegt die Kraft, heißt es. Wenn das stimmt, dann dürften die Genossen von ANWR und Sabu in Krakau und Dresden ordentlich ’Power‘ für die Zukunft getankt haben.