900 Gäste waren bei den Feierlichkeiten in der Hansestadt dabei; neben Verbundgruppenmitgliedern waren auch ehemalige Vorstandsvorsitzende, Nachfahren von Gründungsmitgliedern sowie Unternehmer der Schuhindustrie und Vertreter von Verbänden zu 100 Jahren ANWR Group eingeladen.
Der ANWR-Vorstandsvorsitzende Günter Althaus begrüßte die Anwesenden zu Beginn des Festaktes in der Elbphilharmonie. „100 Jahre Zukunft – unter diesem Motto wollen wir unser Jubiläum feiern. Wir wollen zurückblicken und denen danken, die in den letzten 100 Jahren Verantwortung für die ANWR übernommen haben. (…) Wir sind zu dem geworden, was wir heute sind, weil unsere Vorgänger im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen getroffen haben“, führte Günter Althaus aus. Sie hätten nicht nur die Zeichen der Zeit erkannt, sondern auch rechtzeitig die Weichen für die Zukunft gestellt. „Während andere gejammert haben, haben sie gehandelt.“
Ein Blick auf die vergangenen 100 Jahre zeige, dass Größe nicht vor Misserfolg schütze und Erfolg nicht unverwundbar mache. Dass es immer galt, technische Innovationen einzuschätzen und darauf zu reagieren. „Innovationen wurden stets unter- oder überschätzt, oft war der Markt und meistens der Mensch noch nicht bereit dazu“, so Althaus. Neuen Ideen habe immer auch der Widerstand der Bremser und Warner gegenüber gestanden. Und: „Stets war die soziale Seite der Marktwirtschaft gefordert, mussten Gesetze angepasst werden, mussten Aus- und Weiterbildung reformiert werden.“
„Unsere Gründer und Vorgänger haben uns gezeigt, wie man erfolgreich mit Veränderungen umgeht. Wie man eine offene Zukunft nutzt. Wie man existenzielle wirtschaftliche und gesellschaftliche Umbrüche meistert. Sie haben uns gezeigt, wie wichtig Sensibilisierung für die Dinge, die kommen werden, und Inspiration für das Potenzial, das im Neuen liegt, sind.“ Nur so können rechtzeitiges und nachhaltiges Umdenken erfolgen, so Althaus weiter, „Sie haben uns gelehrt, durch die Kraft der genossenschaftlichen Prinzipien Eigenverantwortung, Selbsthilfe und Selbstorganisation steckt.“
„100 Jahre Zukunft steht für unsere Verantwortung für die nächste und übernächste Generation. Die vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die sich in der ANWR Group zusammengefunden haben, zeichnen sich durch Kreativität, Flexibiliät, Innovationskraft, Verantwortungsbereitschaft und Risikofreude aus. Wir als ANWR Group ziehen unsere Leistungsfähigkeit aus der Kraft unserer über 1.000 Mitglieder“, betonte der Vorstandsvorsitzende.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Freiheiten nicht nehmen, aber Kräfte bündeln“
„Moin“, grüßte der Bundesminister die anwesenden Gäste zu Beginn seiner Rede. Er überbringe die herzlichen Glückwünsche der Bundeskanzlerin. Er könne sich noch an seine Kindheit im Saarland erinnern, in dem es auch ein Schuhhaus gegeben habe, dessen Inhaberin zwei Kriege erlebt habe, den Einzug der Automobile, die Mondlandung – und die im Ort zu einem Stück Kultur geworden sei. Generationen von Menschen hätten dort eingekauft. „So gibt es unzählig viele Einzelhändlerinnen und Einzelhändler in allen Bereichen, die dazu beigetragen haben, dass unser Leben über viele Jahrzehnte lebenwert und reicher war als es gewesen wäre, wenn wir alle mit den großen Einkaufszentren und Warenhausketten auf die Welt gekommen wären“, so der Minister. Dafür sei er dankbar – den anwesenden Händlern und deren Eltern, Groß- und Urgroßeltern.
„Dass wir heute da stehen, wo wir stehen, umgeben von Freunden weltweit, mit einem Wohlstand auch in der breiten Bevölkerung, wie wir ihn noch nie in unserer Geschichte hatten und wie er auch in vielen anderen Teilen der Welt bis heute nicht selbstverständlich ist, das verdanken wir all den Menschen, die nach zwei verlorenen Kriegen nicht aufgegeben haben, die in die Hände gespuckt haben, die gesagt haben: ’Ich möchte mein eigener Herr oder meine eigene Herrin sein, ich möchte etwas gestalten, etwas bewirken, ich traue mir etwas zu.‘ Die bereit waren, unternehmerisches Risiko zu übernehmen. Die bereit waren, ihr Eigentum einzusetzen. Ihr Häuschen, das der Eltern – oder zumindest das der Schwiegereltern. Die bereit waren, Menschen einzustellen, bei denen sie nicht wussten, ob sie am Ende des Monats in der Lage sein würden, diese zu bezahlen. Und die ihrem Kunden erlaubt haben, anzuschreiben, ohne zu wissen, wann sie das Geld wiedersehen würden.
Das alles sind die Anfänge eines wunderbaren Aufstiegs, einer Erfolgsgeschichte, die wir ohne die soziale Marktwirtschaft, ohne diese mittelständischen, diese unternehmerischen Menschen nicht geschafft hätten. Und wenn wir nicht schon vor 130 Jahren das Genossenschaftsgesetz gehabt hätten, man hätte es erfinden müssen. Denn die Genossenschaften, die heute noch sehr modern sind, vereinen zwei wichtige Prinzipien, zum Einen, dass Marktwirtschaft umso erfolgreicher ist, je näher der Unternehmer oder die Unternehmerin an den Konsumentinnen und Konsumenten ist. Je größer die Eigenverantwortung ist, die man in der ganzen Kette, der Lieferkette bis zum Verkauf, organisiert. Aber auch, dass in der modernen Konsumgesellschaft der Einzelne nur stark ist, wenn er eine starke Organisation hinter sich hat, die ihm unternehmerische Freiheiten nicht nimmt, die ihm das Risiko nicht nimmt, aber die dafür sorgt, dass er seine Fähigkeiten und Stärken gemeinsam mit anderen entwickeln erhalten kann.“