Nach Deichmann sei Amazon im deutschen Schuhhandel inzwischen auf Platz zwei, berichtete Bucher während der Fashiontech-Konferenz auf dem Premium-Gelände. Im Bereich Fashion, Schuhe, Accessoires und Schmuck bietet Amazon laut Bucher derzeit 26 Mio. verschiedene Artikel an. Dafür würde – als stationäres Geschäft abgebildet – eine Verkaufsfläche von 5 Mio. qm (500 Fußballstadien) benötigt.
Als separate Einheit des Onlinehänders soll Amazon Fashion sich weiter etablieren. Für ein schnelles und deutliches Wachstum setzt das Unternehmen auf verschiedene technische Tools. Eine davon ist ein neues Fotostudio in London, in dem aufwändige Shootings für Modeprodukte entstehen. Als neues Element werden neben Fotografien auch Videos auf der neuen Modeplattform Amazon Fashion einbebunden.
Neben Innovationen wie Drohnen und robobergesteuerter Logistik will Amazon laut Bucher den Servicegrad für Konsumenten erhöhen. Auswahl, Komfort, Preis und nicht zuletzt Vertrauen seien auch online unverzichtbar, um Kunden zu binden. So soll die Passform-Problematik über eine simple Crowd Funding Lösung angegangen werden. Dabei werden alle Kunden, die ein bestimmtes Kleidungsstück gekauft haben, zu dessen Passform befragt. Die so gewonnenen Erkenntnisse münden in eine Kaufempfehlung für künftige Kunden.
Auch die Shopping-Historie eines jeden Käufers kann sich der Online Pure Player zu Nutze machen, um Kaufempfehlungen auszusprechen. Je nachdem, welche Produkte gekauft, behalten und zurückgeschickt werden, können komplizierte Algorithmen Hinweise über die wahrscheinliche Passform weiterer Produkte geben – nicht umsonst ist Sergio Bucher Mathematiker.
Ziel sei es, den Einkauf so leicht und komfortabel wie möglich zu gestalten. Man müsse einfach alles anbieten, was Kunden haben wollen. Und man müsse dies mit bestmöglichem Service tun.
Auf die Frage, ob angesichts dessen der stationäre Handel überhaupt eine Chance habe, gab es von Bucher ein deutliches „Ja“. Allerdings müsse ein Händler seine Strategie deutlich ändern: Weg von der Versorgung mit Produkten, hin zur Inszenierung von Shopping Events.